Die Okularseite

Die ultimative Okularbauweise kann und wird es nie geben.  Nirgends werden
persönliche Vorlieben und physische Voraussetzungen des Beobachters
(z.B. Brille notwendig) stärkeren Einfluß haben als im Bereich der Okulare,
ist doch quasi das Okular die Schnittstelle zwischen Mensch und Teleskop
schlechthin. Immer wieder tauchen folglich die Fragen auf, welches Okular für
welchen Zweck am geeignetsten sei. In diesem Kapitel will ich darauf keine
Antwort geben, sondern ganz einfach die Vor- und Nachteile derjenigen
Okulare angeben, die ich selbst im Einsatz habe.
Geordnet ist das ganze absteigend nach Brennweiten.

Brennweite
Typ
Kommentar
32mm
52° GF
1,25"
Celestron
Plössl
Ein Weitwinkelokular, das eigentlich ein klassisches Aufsuchokular ist. Auch am kurzbrennweitigen Newton mit f/4,5 treten kaum Ver-zerrungen auf, nur die Sterne werden leicht komatisch. Aufgrund seiner hohen Austrittspupille nur bei einem Himmel besser 5mag ein Fortschritt gegenüber dem 26er Superplössl. Da die Augenlinse nur von einem ca. 1cm überstehenden Metallrand eingefaßt ist, kriegt man leicht Streulichtreflexe zwischen Auge und Okular, die sich in der sehr großen Feldlinse spiegeln. Eine Gummiaugenmuschel ist aufgrund des hohen Okularaußendurchmessers nicht verfügbar. Auch kippt das Bild bei nicht zentralem Einblick recht schnell weg. Daran hat man sich aber schnell gewöhnt.
26mm
52° GF
1,25"
Meade Superplössl Serie 4000
Ein Okular, das im leichten Weitwinkelbereich sehr helle, scharfe und kontrastreiche Bilder liefert. Nur am äußersten Bildfeldrand tritt eine leichte Verzeichnung/komatische Unschärfe auf, insbesondere am kurzbrennweitigen Newton 10" f/4,5. Diese ist aber keinesfalls störend.
25mm
52°GF
1,25"
Dörr
Kellner
Widefield
Dieses Okular war bei meinem 4,5" Newton serienmäßig dabei. Es zeigt ähnlich gute Eigenschaften wie das 26mm Meade, nur ist es nicht ganz so streulicht- und reflexionsarm. Die Verzerrungen im Randbereich sind minimal höher wie beim 26mm. Wer dieses Okular, das bei vielen Teleskopen zur Standardausrüstung gehört, besitzt, braucht das 26mm Meade definitiv nicht, wenn, dann schon ein 32 oder 40mm.
17mm
52° GF
1,25"
Antares
APO-Series
Auperplössl
Gleicht vom Aufbau und Finish frappierend dem Meade Serie 4000 Superplössl und auch die optische Qualität scheint deren hohen Standard widerzuspiegeln: randscharf, guter Kontrast, bequemer Einblick, eine Gummiaugenmuschel schützt vor Streulicht. Gegenüber meinen anderen Okularen ist die Gummiaugenmuschel aber relativ steif und schmiegt sich dem Auge nicht so gut an. Ansonsten ein Okular, das jeden Euro wert ist!
12mm
1,25"
Vixen
Ortho
Sehr scharf, aber ortho-typisches, kleines Gesichtsfeld. Aufgrund der 12,5mm Brennweite ist der Einblick aber dennoch recht bequem, so daß dieses Okular - auch wegen der geringen Linsenzahl - als deep-sky-Okular eine recht gute Figur macht.
7mm
1,25"
Celestron
Ortho
Vom Einblickverhalten und Gesichtsfeld
mittelmäßig, die Planetenabbildungen zwar nicht besonders groß, dafür aber wahnsinnig scharf und kontrastreich. Das Okular eignet sich auch sehr gut zur Verwendung mit der weiter unten beschriebenen Barlowlinse. Auch für Doppelsterne aufgrund seiner hohen Abbildungsleistung ein ideales Okular. Für Okularprojektion wirklich prädestiniert, da kann kein anderer Okulartyp mithalten.
6,3mm
52°GF
1,25"
noname
Kellner
Ich habs mir einfach für 25 Mark im Gebrauchtmarkt geholt, um für meinen 4,5"er ein billiges deep-sky Okular zu haben. Es vergrößert 25% weniger als mein 5mm,  liefert dafür aber einfach mehr Bildhelligkeit, was bei deep sky ja wichtig ist. Ein billiges Okular, das nicht billig, sondern enorm preiswert ist. Klar, das Einblickverhalten ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber es läßt sogar Augenabstände im cm-Bereich zu, trotz der kleinen Austrittslinse. Erstaunt bin ich immer wieder über die traumhafte Bildschärfe dieses Teils, das schlägt am Planeten sogar mein zehnmal so teures 5mm Eudiascopic.
Bei Okularprojektion liefert es aber einen leichten Farbsaum, so wie auf meinen Planetenfotos in der Galerie zu sehen.
5mm
45°GF
1,25"
Baader
Eudiascopic
Mein bisher teuerstes Okular. Diesem stehe ich ambivalent gegenüber. Zum Einen ist das Einblickverhalten für 5mm sehr komfortabel, da gibts gar nichts zu meckern. Auch der Kontrast ist sehr gut. Aber es ist enorm schwierig, mit dem Teil ein scharfes Bild hinzukriegen. Da ist mein 6,3er Billigokular um Meilen besser. Nur, wenn mans mal scharf gekriegt hat, dann ist es unschlagbar. Es scheint so, daß dieses Okular bei der Bildschärfe extrem auf ein Verkippen der optischen Achse reagiert, weshalb der Fokus in meinem relativ schlechten Okularauszug eher Glückssache ist. Was ich wiederum gar nicht verstehe: Bei Okularprojektion bekommt man zwar einen Punkt maximaler Schärfe, da ähnelt aber das Mattscheibenbild von Saturn einem Ei. Hingegen im 6,3er ist bei Projektion auf der Mattscheibe der Ring sehr schön zu sehen. Also: Absolut nicht für Okularprojektion geeignet. Am Planeten aber liefert es bei gutem seeing absolute Wahnsinnsbilder: Schärfe und Kontrast ohne Ende. Braucht aber einen guten Okularauszug.
Barlowlinse
2x
1,25"
Celestron
Ultima
Achromat
Ein Achromat mit Luftspalt. Und eine Barlowlinse, die mit keinem Okular eine Qualitätsverschlechterung bringt. Das achromatische Design kann auch am Planeten mit knackscharfen und farbfehlerfreien Bildern glänzen. Absolut empfehlenswert. Ich würd bei einer Barlowlinse nichts Schlechteres akzeptieren: hier kann ich leicht 100 Mark mehr ausgeben, wenn ich damit die Zahl meiner Okulare faktisch verdoppeln kann. Neupreis ist bei ca. 270 Mark, ich hab sie gebraucht für 190 Mark gekriegt -in 1a Zustand.